Blues, Tätowierungen & Entertainment


Mit Lets's All get Drunk And Get Tatooed von Memo Gonzalez & The Bluescasters erscheint dieser Tage die erste Live-CD auf dem Hamburger Bueslable Stumble.

Es befinden sich vier Gestalten auf der Bühne: Ein kleiner Gitarrist, nicht älter als 27, mit Anzug, Kopftuch und einer uralten Halbakustischen, die er spielt, als sei sie seine Stimme; ein schwergewichtiger Bassist, Typ "gutmütiger Bär", nie ohne Baskenmütze, der seinen Bass pumpt, daß es rollt und rollt und rollt; ein Saxofonist, charmant und gutaussehend, der seinem Horn zum einen wunderschöne Melodien entlockt und es zum anderen auf die wildeste Manier kreischen und wimmern läßt; ein Trommler, der so tief sitzt, daß er kaum zu sehen ist, der seine Umgebung nicht wahrzunehmen scheint, dabei aber so inspiriert groovt, daß es eine Freude ist. Nach einem instrumentalen Intro, das das Publikum schon mit offenen Mündern dastehen läßt, betritt ein korpulenter Amerikaner offensichtlich mexikanischer Abstammung die Bühne, stöpselt sein Mikro für die Mundharmonika ein, geht zum Gesangsmikro und sagt: "Hope you're havin' a good time tonite. My name is Memo Gonzalez and they call me the Lone Wolf. So let's all get drunk and get tatooed on this lovely lovely evening". Dann folgt das obligatorische "one - two - three - four" und BANG! legen sie los: Memo Gonzalez & The Bluescasters, er aus Dallas/Texas, sie aus Münster und Osnabrück. Es folgen zwei Stunden fettester Blues, puristisch und satt, mit Dampf und Gefühl gespielt. Stilistisch geht die Reise von Chicago nach Texas, mit einem vergnüglichen Zwischenstop in Louisiana.

Wenn der voluminöse Memo Gonzalez dann den Gitarristen der Bluescasters auf seinen Schultern über die Bühne trägt, während die anderen Musiker sich richtig schaffen, erlebt man eine Allianz, wie sie passender nicht sein könnte. Die Bluescasters, namentlich Kai Strauss (Gitarre), Thomas Feldmann (Saxofon), Erkan Özdemir (Bass) und Ralf Nackowitsch (Schlagzeug), zählen zur europäischen Spitze in ihrem Genre, dem dynamisch swingenden Clubblues, den man seit den 50ern aus Amerika kennt. Ständige Aktivitäten und Auftritte bei den wichtigsten europäischen Bluesfestivals führten zwangsläufig zur Erweiterung des Bekanntenkreises, zu dem irgendwann dann auch Memo Gonzalez stieß. Gonzalez - fester Bestandteil der Bluesszene in Dallas, Gründer der Weeballs (mit Felix Reyes und Hash Brown) und nach deren Auflösung weitreisender Missionar und Entertainer in Sachen Blues - hätte keine bessere Backingband für seine Deutschland-Touren finden können. Da stimmt einfach alles, und der gute Memo ließ es sich nicht nehmen, seinen Mitstreitern gleich treffende Spitznamen zu verpassen.

Diese, und gleich ein ganzes Konzert dazu, kann man jetzt hören auf dem Album Let's All Get Drunk And get Tatooed (LIVE). In bester Soundqualität lassen es Big-Tone-Spieler Gonzalez und seine inspirierten Kollegen gepflegt krachen und grooven. Herr Gonzalez hat für jeden Song eine kleine Geschichte parat und weiß sehr wohl, daß Blues nicht nur Leid, sondern auch eine satte Portion Lebnsweisheit und Witz bedeutet. Das, und die geballte Energie der Show ist tatsächlich zu hören. Daß Herr Gonzalez während der Konzerte gern verlauten läßt: "Remember, the more you drink the better we sound", kann man getrost in die Schublade "Amerikanische Entertainerstandards dieses Jahrhunderts" stecken ... jk