... und der Engel tobte
Gonzalez & The Bluescasters sorgten für Stimmung
Kempten
Am Ende klatschten, pfiffen und trampelten die Zuhörer im Altstadt-"Engel" wie wild, damit Memo Gonzalez und seine Bluescasters noch mal auf die Bühne kommen. Wer das Kemptener Publikum kennt, der weiß, daß sich dafür einer schon ganz schön ins Zeug legen muß. Und der Mann aus Dallas/Texas enttäuschte sie nicht, warf erneut seine "300 pound of a man" in die Waagschale und wieder schlug das Pendel aus in Richtung dieses heißen dynamischen Blues, der einfach mitreißt.
Begonnen hatte es etwas ruhiger, Memo Gonzalez spulte sein Einstiegs-Programm ab: von den schwarzen Lackschuhen bis zur Tolle ein professioneller Frontman. Manchmal blickte er auch auf seine Armbanduhr und fragte sich wohl, "wann werden die endlich wach". Zum Glück wurde das Publikum - für Kemptener Verhältnisse - ziemlich schnell warm und feuerte die fünf auf der Bühne an. Gonzalez und die Bluescasters dankten es ihnen mit musikalischen Höchstleistungen.
Mitreißend ist dieser rasante weiße Blues, den Gonzalez auf seiner Harp nicht nur mit atemberaubender Schnelligkeit spielt, sondern auch verkörpert. Wenn er singt, daß er die Frauen und das Geld ("and to spend it") liebt, muß man es ihm einfach glauben. Er beherrscht die Bühne, sowohl körperlich als auch mit seiner kraftvollen Stimme.
Dabei nimmt er sich immer wider zurück und lenkt die Aufmerksamkeit - mit den größten Übertreibungen - auf seine Mitspieler. Ein Ansporn für "fantastic" Kai Strauss an der Gitarre, den "doctor" am Saxophon, Thomas Feldmann, "magnificent" Erkan Özdemir am Baß und "the heartbeat of the Bluescasters" Peter Samland an den Drums. Die lassen sich nicht lange bitten und hängen sich voll rein.
Das Zusammenspiel mit Gonzales klappt hervorragend. Strauss und Feldmann brillieren darüber hinaus mit Solis. Am Ende steigt auch das Publikum richtig mit ein, klatscht und singt mit ("let's all get high"). Und als Gonzalez seine Tolle wild schüttelt und Strauss seine Gitarre auf dem Rücken spielt, da tobt der "Engel" in der Altstadt.
Franz Summerer